Wirtschaft und Handel im Mittelalter

PD Dr. Tobias Daniels
Haupt-/Oberseminar
Donnerstag: 18:30–20:00, Cusanus-Institut, Domfreihof 3, Trier

  1. Das heutige Wirtschaftsleben spielt sich weitestgehend im virtuellen Raum ab. Wer an Wirtschaft und Handel im Mittelalter denkt, dem werden ganz andere Bilder in den Kopf kommen: Vielleicht das eines berittenen Gutsherren, der bei seinem Untergebenen die Fronabgaben einholt. Grundherrschaft und Lehnswesen sowie Naturalienwirtschaft waren ein wichtiger Teil der mittelalterlichen Ökonomie. Aber ein solch statisches Bild verdeckt viele andere Aspekte des vielfältigen Wirtschaftslebens im Mittelalter, die als geradezu innovativ bezeichnet werden können; beispielsweise: das Aufkommen des internationalen Fernhandels zu Land und zu Wasser, das Florieren von Jahrmärkten und überregionalen Messen, die Entstehung der Geldwirtschaft im Rahmen einer so genannten kommerziellen Revolution, die Anfänge von Geldwechsel und bargeldlosem Zahlungsverkehr, von Kredit und Bankhäusern. In das Innenleben und die Geschäftspraktiken mancher der nun entstehenden Handelshäusern, -gesellschaften und auch übergreifenden Organisationen wie etwa der Hanse geben Rechnungsbücher (mit einfacher und doppelter Buchführung) sowie Briefwechsel tiefe Einblicke, und manchem der so genannten merchant bankers des Mittelalters können wir durch Schriftquellen und Bildmaterial geradezu ins Gesicht schauen. Solche Einblicke zu erlangen, ist Ziel dieses Hauptseminars. Dabei sollen auch regionalgeschichtliche Aspekte Erwähnung finden, unter anderem in Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Trier und der dortigen Münzsammlung.
  2. Literatur: Hans-Jörg Gilomen, Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters, München 2014.