Online-Vortrag von Dr. Thomas Woelki (HU zu Berlin)

Cusanus 1453

Ziele und Strategien einer Bischofsherrschaft

Das europäische Epochenjahr 1453 bedeute auch für Nikolaus von Kues einen Neubeginn: Nach dem endgültigen Ende seiner großen Legation ging es für ihn darum, seine Bischofsherrschaft in Brixen fest zu etablieren und nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Worin diese konkret bestanden, ist im Einzelnen schwierig zu konstruieren. Zu berücksichtigen sind ventilierende Reformdiskurse, denen sich Cusanus verpflichtet fühlen musste (besonders: Jean Gerson und Dionysius der Kartäuser), ebenso wie zeittypische Tendenzen zur Bildung geistlicher Landesherrschaften und zur Verteidigung von Macht, Wohlstand und Eigenständigkeit der Bischofskirchen. Durch die Acta Cusana sind nun konkrete Aktionen der bischöflichen Politik und Impulse für das christliche Leben seiner Diözese für die gesamte Brixner Zeit des Nikolaus von Kues zugänglich. In quellenpointilistischer Verdichtung zeigt sich hier, dass Cusanus von Anfang an beidem gerecht werden wollte, dass sich die Extrempositionen Hirte und Herrscher für ihn gerade nicht ausschlossen. Die Momentaufnahme des Kalenderjahres 1453 dient dabei als Brennglas zur Fokussierung des Blicks, wobei sich Handlungen dieses Jahres mitunter erst durch spätere Äußerungen verstehen und einordnen lassen.