Die Frage nach den sozialen und kulturellen Praktiken der Informationsverarbeitung steht für uns im Zentrum einer Intellectual History des Mittelalters. Entsprechend ist zu erfassen, was als Information wahrgenommen wurde, wie Informationen geordnet, gespeichert, gedeutet und verbreitet wurden und wie sich diese etwa zu einem sozialen, administrativen oder gelehrten Wissen verdichteten. Ferner muss auf das Ringen um Deutungshoheit und das Verhältnis von Wissen und Macht geblickt werden. Und schließlich bleibt zu erforschen, wie Wissen genutzt wurde und welche Vorstellungen und Gedanken ein bestimmtes Wissen, aber auch ein Nichtwissen evozierte.

Die Beschäftigung mit Nikolaus von Kues bietet für die Intellectual History einen außergewöhnlichen Ausgangspunkt. Cusanus hat als Mensch, als Jurist und Kirchenpolitiker sowie als Gelehrter Informationen gesammelt und verarbeitet und sich so in sehr unterschiedlichen Bereichen Wissen angeeignet, das sein Denken sowie seine Erwartungen und Emotionen geprägt und sein Handeln beeinflusst hat. Aufgrund einer einmaligen Überlieferungssituation – wir verfügen über seine private Buchsammlung, seine Schriften, seine Predigten sowie über zahlreiche in den Acta Cusana (https://actacusana.de/) sukzessiv edierte Briefe, Verfügungen, Urkunden und Notizen – können wir nicht nur untersuchen, wie Nikolaus von Kues das Verhältnis von Nichtwissen, Wissen und Erkenntnis in philosophisch-theologischer Hinsicht reflektierte, sondern auch, wie er sich als Akteur in verschiedenen Wissensräumen bewegte und inwiefern er diese miteinander verband. Das sich aus unterschiedlichen Projekten zusammensetzende Forschungsvorhaben des Cusanus-Instituts, die materiell vorhandene und die – aus den von ihm gelesenen Werken zu rekonstruierende – imaginäre Bibliothek des Nikolaus von Kues zu erschließen und wissenschaftlich auszuwerten, wird zu dieser Analyse einen wesentlichen Beitrag leisten.

In enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Petra Schulte ist das Team des Cusanus-Instituts interessiert an theoretisch-methodischen Diskussionen und – über Nikolaus von Kues hinaus – offen für die Themenvielfalt der Intellectual History. Es arbeitet konsequent interdisziplinär und mit einem klaren Schwerpunkt auf dem Mittelalter, insbesondere dem Spätmittelalter, wobei ein Ausblick auf die frühe Neuzeit nicht ausgeschlossen wird.

Als ein aktuelles Buchprojekt von Prof. Dr. Petra Schulte sei die Einführung in die politische Theorie des Mittelalters genannt. Mehr Informationen zur Forschung am Lehrstuhl erhalten Sie hier: https://www.uni-trier.de/index.php?id=5086

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