Der Bereich „Zentrum für Cusanus-Forschung“ verbindet die gegenwärtigen und sich in der Vorbereitung befindenden Forschungsvorhaben des Instituts. Zu nennen sind hier insbesondere die weit fortgeschrittene Übersetzung der Predigten des Nikolaus von Kues, die wissenschaftliche Erschließung seiner Bibliothek und ein damit zu verbindendes Projekt zur Dionysius-Rezeption des Cusanus.

Projekt:
Nikolaus von Kues: Predigten in deutscher Übersetzung

Bearbeiterin:
Dr. Viki Ranff


Finanzierung: Das Projekt wird von der Satoshi Oide-Stiftung und der Günter Klotz und Helena Klotz-Makowiecki Stiftung unterstützt.

Der Gründungsauftrag des Institutes für Cusanus-Forschung war die textkritische Edition der nahezu 300 Predigtentwürfe des Nikolaus von Kues in der Heidelberger Akademieausgabe seiner Werke. Sie füllen vier Bände in fünf Büchern (h XVI-XIX). Die nachfolgende Generation der Institutsmitarbeiter begann mit der Übersetzung und Erschließung der Sermones in vier Bänden, deren Bände 2 und 3 vorliegen. Die Drucklegung des vierten Bandes erfolgt im Jahr 2018. Abschließen wird die Reihe mit dem ersten Band, der zunächst zurückgestellt wurde, da die frühen cusanischen Predigten größtenteils in der Übersetzung von Josef Sikora und Elisabeth Bohnenstädt von 1952 vorlagen.

Die Predigten und Predigtentwürfe des Cusanus umfassen einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren, nämlich von Weihnachten 1430 bis zum 5. Juni 1463. Zwar sind sie nicht gleichmäßig über die Lebensphasen des Autors verteilt, lassen aber dennoch eine Entwicklung seines theologischen Denkens und seiner Predigtabsichten erkennen. Von den frühen, noch durch eine intensive Rezeption theologischer Autoritäten geprägten Texten über eher pastoral motivierte, stark bildhafte Predigten bis zu ausgestalteten theologischen Predigttraktaten der letzten Jahre reichen die von Cusanus selbst für ein Predigtbuch gesammelten Sermones. Er war nämlich überzeugt, damit einem theologischen Anliegen zu dienen, wenn sie der Nachwelt überliefert würden. Dieses zentrale Anliegen ist die Erhellung des Christusmysteriums und dessen prägenden Einflusses auf das christliche Menschenbild.

Die Predigten auch Leserinnen und Lesern ohne ausreichende Lateinkenntnisse zu erschließen, ist ein Ziel des Übersetzungsprojektes. Durch Hinweise auf Bibelzitate oder biblische Anspielungen, Bezüge zu theologischen Autoren insbesondere der frühen Kirche, aber auch auf interne Werkbezüge des Cusanus und wichtige Sekundärliteratur werden die Texte inhaltlich erschlossen. Alles dies soll dem Interesse des Verfassers dienen, seine Sermones im umfassenden Sinne zugänglich zu machen.

Projekt:
Cusanus-Bibliothek

Bearbeiter:
Prof. Dr. Petra Schulte, Dr. Marco Brösch, Alexandra Geissler, M.A.

In Kooperation mit dem St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift in Bernkastel-Kues und dem Trier Center for Digital Humanities plant das Cusanus-Institut, die Bibliothek des Nikolaus von Kues in mehreren Schritten neu zu beschreiben, zu digitalisieren und als ein spezifisches Ensemble von Texten mit den Fragen und Methoden der Intellectual History auszuwerten. Die Bibliothek, die heute 316 Handschriften und über 100 Inkunabeln aus allen Wissensbereichen umfasst, gehört zu den bedeutendsten Sammlungen des späten Mittelalters. 81 weitere Manuskripte aus der Cusanus-Bibliothek befinden sich u. a. in der British Library in London und der Bibliothèque royale de Belgique in Brüssel.

Projekt:
Die philosophisch-theologische Kirchenväterrezeption bei Cusanus

Bearbeiterin:
Dr. Viki Ranff

An das in Entstehung befindliche theologische Habilitationsprojekt zur „Verähnlichung des Menschen mit Gott und Vergöttlichung bei Pseudo-Dionysius Areopagita, Johannes Scotus Eriugena und Nikolaus von Kues“ soll ein allgemeineres Projekt zur Kirchenväterrezeption anschließen, das sich zunächst ein weiteres Mal mit der sehr breit angelegten Dionysius-Rezeption des Cusanus befassen wird. Dieser Autor, der um 500 n. Chr. die Philosophie des Neuplatonismus mit der christlichen Theologie verbindet, galt als große Autorität, denn er wurde bis in die Zeit des Cusanus unter seinem Pseudonym Dionysius Areopagita für einen Schüler des Apostels Paulus gehalten. Er prägt die Schriften des Nikolaus von Kues in außerordentlicher Weise. Diese Prägung hinterließ auch Spuren in dessen Bibliothek, denen ebenfalls nachgegangen werden soll.

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Werkstatt
für Intellectual History

Ort
des Dialogs